40 Jahre Feuerwehr, mehr als 15 Jahre in Führungsverantwortung und unzählige Einsätze: Mit einer ganz besonderen Blaulichttour durch „seine Stadt“ haben die Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Marktheidenfeld gemeinsam mit befreundeten Hilfsorganisationen am Samstagabend ihren langjährigen Kommandanten Bernhard Nees verabschiedet. Dabei wurde es nicht nur emotional, sondern stellenweise auch ziemlich unterhaltsam.
Normalerweise bedeutet eine Blaulichtfahrt für Bernhard Nees vor allem eines: Einsatz, Verantwortung übernehmen und Entscheidungen treffen. Am Samstagabend war das anders. Diesmal stand er selbst im Mittelpunkt einer außergewöhnlichen Rundfahrt durch Marktheidenfeld, die seine Kameradinnen und Kameraden als Überraschung zu seinem Abschied organisiert hatten.
An verschiedenen Stationen im Stadtgebiet ging es noch einmal zurück zu besonderen Momenten seiner Feuerwehrlaufbahn. Vom Großbrand im Bereich der Untertorstraße über zahlreiche Brand- und Rettungseinsätze bis hin zu einer außergewöhnlichen Tierrettung – in vier Jahrzehnten Feuerwehrdienst kommt einiges zusammen. Darunter viele schöne Erinnerungen, aber auch Einsätze, die einem noch lange im Gedächtnis bleiben.
Doch wer glaubt, Bernhard hätte sich bei seiner Abschiedstour einfach zurücklehnen dürfen, kennt seine Kameraden schlecht. Schließlich hatte er erst kürzlich selbst die Frage aufgeworfen, ob er die Arbeit an der Basis überhaupt noch beherrsche. Eine Steilvorlage, die sich seine Mannschaft natürlich nicht entgehen ließ. Mit Kübelspritze, Feuerwehrschlauch und Feuerwehrleine musste der langjährige Chef kurzerhand beweisen, dass er auch ohne Kommandantenfunktion noch weiß, wie Feuerwehr funktioniert. Nach mehr als 15 Jahren, in denen er anderen die Aufgaben zugewiesen hatte, durfte er zur Abwechslung also selbst wieder ran.
Ein weiterer Höhepunkt der Rundfahrt war der Zwischenstopp im Hof der Martinsbräu. Dort feierten zahlreiche Kameraden an diesem Abend den runden Geburtstag von Feuerwehrkamerad Julian Hanakam. Natürlich durfte die Blaulichtkolonne auch hier nicht fehlen, bevor die Abschiedstour schließlich zurück ins Feuerwehrgerätehaus führte und der Abend in der Florianstube gemeinsam ausklang.
Vom Jugendfeuerwehrmann zum Kommandanten
Bernhards Feuerwehrgeschichte begann bereits 1986, als er im Alter von 14 Jahren in die Jugendfeuerwehr Marktheidenfeld eintrat. Was damals als Hobby begann, entwickelte sich zu einer Leidenschaft, die ihn bis heute begleitet. Im Juli 2011 übernahm er an der Seite des damaligen Kommandanten Michael Rohm das Amt des Stellvertreters. Seit 2018 stand er als erster Kommandant an der Spitze der Feuerwehr Marktheidenfeld.
In dieser Zeit hat sich viel verändert. Besonders der Neubau der Feuerwache, die im September 2021 bezogen werden konnte, bleibt eng mit seiner Amtszeit verbunden. Von der alten Feuerwache über die provisorische Unterbringung bis hin zum modernen Neubau begleitete er eines der größten Projekte in der Geschichte der Marktheidenfelder Feuerwehr.
Doch Kommandant zu sein bedeutet weit mehr, als bei Einsätzen vorne zu stehen. Es bedeutet unzählige Stunden ehrenamtlicher Arbeit, Besprechungen, Organisation, Ausbildung und Entscheidungen, die nicht immer einfach sind. Vor allem aber bedeutet es, Verantwortung für Menschen zu übernehmen – und das zu jeder Tages- und Nachtzeit.
Der Kommandant geht – der Feuerwehrmann bleibt
Zum 1. November 2026 hat Bernhard Nees sein Amt als erster Kommandant auf eigenen Wunsch niedergelegt. Bis zur Neuwahl am 6. November übernimmt sein bisheriger Stellvertreter Johannes Naun die Leitung der Feuerwehr Marktheidenfeld.
Für Bernhard beginnt damit nach mehr als 15 Jahren Führungsverantwortung ein neuer Abschnitt. Ganz ohne Feuerwehr wird es allerdings auch künftig nicht gehen. Denn der 54-Jährige bleibt der Einsatzabteilung weiterhin erhalten und möchte auch in Zukunft mit seinen Kameradinnen und Kameraden ausrücken.
Und genau das macht diesen Abschied besonders: Es ist kein Abschied von der Feuerwehr, sondern von einem Amt, das über viele Jahre einen großen Teil seines Lebens bestimmt hat.
Lieber Bernhard, 40 Jahre Feuerwehr sind alles andere als selbstverständlich. Danke für deinen Einsatz, deine Zeit, deine Verantwortung und die vielen gemeinsamen Erlebnisse. Danke für alles, was du für unsere Feuerwehr und die Menschen in Marktheidenfeld geleistet hast.
Wir wünschen dir für deinen neuen Abschnitt etwas weniger Papierkram, hoffentlich ein paar ruhigere Nächte und vor allem weiterhin viel Freude an unserer gemeinsamen Feuerwehr.
















